Der Mini wird 60

berichtet von Jochen Extra, fotografiert von Erik Schrader

Wer hätte damals, 1959, als die ersten Minis vom Band liefen, gedacht, dass sich dieses Wägelchen zu solch einem Kult-Auto entwickeln würde, dass es über 40 Jahre gebaut und außerordentliche Erfolge im Motorsport erringen würde.

Anstoß für die Entwicklung war die Suezkrise 1956, die erste Energiekrise mit Auswirkungen auf den Automobilbau. Laut einer Legende skizzierte der geniale Konstrukteur Alec Issigonis die ersten Entwürfe für einen sparsamen Kompaktwagen auf eine Tischdecke bei einem der damals üblichen Arbeitsessen.

Der Mini wurde ein durchschlagender Erfolg. Mit seiner kompakten Karosserie und der revolutionären Antriebstechnik setzte er Merkmale, die teilweise erst Jahre später von anderen Firmen übernommen wurden.

Der Mini war wie kein anderes Auto der Liebling der Frauen, Stars, Musiker und Schauspieler. Ob Peter Sellers, die Beatles oder Twiggy, alle fuhren Mini. Der Mini war der Star der Swinging Sixties, dessen Zentrum die Carnaby Street in London war. Der legendäre Musiker Marc Bolan verunglückte tödlich in einem Mini.

Sportlich löste der Mini, aufgepeppt durch John Cooper, die erfolgreichen Austin Healeys ab und dominierte jahrelang die Rallye-Scene. Vier Gesamtsiege bei der Monte machten ihn unsterblich, wobei ein Sieg unter fragwürdigen Umständen aberkannt wurde. Der Popularität tat das keinen Abbruch. Er wurde in unzähligen Varianten gebaut, als Clubman, Cooper, Woody, Country, Kombi, Pick-Up, mit Allradantrieb, zwei Motoren, als Mini-Moke usw.

In unzähligen Filmen spielten Minis eine mehr oder weniger tragende Rolle, allen voran im Meisterwerk „The Italien Job“.

Der hier abgebildete Mini ist ein typischer Vertreter seiner Zunft, mit getuntem Motor, Sportfahrwerk und verschiedenen Race- Accessoires. Fährt sich wie ein Gokart und macht süchtig nach Speed.

Im Jahr 2000 war dann Schluss, BMW sicherte sich mit der Übernahme von Rover die Namensrechte und produzierte den neuen BMW-Mini, der außer dem Namen nichts mit dem alten Mini zu tun hat.

Roadtrip to England

berichtet von Jochen Extra

Vor einigen Wochen fragte mich Volker Erdle, ein Healey-Freund aus alten Renn- und Rallyetagen, ob ich nicht Lust hätte Ihn nach England zu begleiten. Er wollte einige Firmen, Freunde und das Donington Historic Festival besuchen. Lust hatte ich allemal, und obwohl bei uns in der Werkstatt Hochbetrieb herrscht, sagte ich zu, zumal wir standesgemäß in Volkers Healey fahren wollten. Also Fähre gebucht und eine letzte Durchsicht am Healey vorgenommen.

Am 1. Mai war es soweit. Treffpunkt war Volkers Werkstatt in Oberkirch. Um 5.00 starteten wir Richtung Dünkirchen. Die Fähre war um 14.00 gebucht. Wir nahmen die Strecke über Belgien, da dadurch die Mautgebühren umgangen wurden. Da Feiertag war und keine LKWs unterwegs waren, konnten wir dem Healey etwas die Sporen geben und erreichten sogar noch die 12.00 Uhr Fähre. Da es ja eine Spaßfahrt war hatten wir die traditionelle Fährüberfahrt gewählt und auf den Tunnel verzichtet. Auf der Fähre gab es eine erste Portion Fish and Chips und dann ging es auch schon los Richtung London. Auch hier entspannter Verkehr auf der M25.

Unser erster Anlaufpunkt war im Süden von London die Fa. HARDY-ENGINEERING. Diese Firma beschäftigt sich seit 50 Jahren (!) mit der Überholung und Instandsetzung von Getrieben, Overdrives und Differenzialen. Neil Hardy war ein bekannter Healey-Race-Driver, der leider vor vielen Jahren einen schweren Rennunfall hatte. Die Firma wird jetzt von seiner Tochter und Ihrem Mann geführt. Beeindruckend lagerten die Berge an Getriebeteilen in Kisten, Schränken und Regalen. Volker hatte sich hier ein Differenzial für seinen Vorkriegs-MG aufbauen lassen, dass wir nun abholten.

Und weiter ging es zu Charles Matthews, einem Freund von Volker und ein wahrer Healey-Besessener. Er wohnt in einem ansprechenden Landhaus in der Nähe von Coventry.

500 Meter vor unserem Tagesziel fuhr ich durch ein etwas größeres Schlagloch, es erfolgte ein kurzer metallischer Schlag. Fahrverhalten und Lenkung zeigten jedoch normales Verhalten. Äußerlich war dem Wagen nichts anzusehen.

Herzliches Willkommen bei Charles. Ich war erstmal geplättet. Das ganze Haus ist mit Healey-Bildern und Rennplakaten ausgestattet. Es wurde gekocht, und dann wurde es ein langer Abend bei Bier und Whisky.

Am nächsten Morgen stand eine Fahrt zur Fa. DENIS WELCH an, die von seinem Sohn Jeremy geführt wird. Denis Welch war einer der herausragendsten Healey Driver. Ich arbeite mit der Firma schon fast 30 Jahre zusammen.

Auf der Fahrt dorthin meinte Volker dann aber, wir müssten unbedingt nach der Vorderachse sehen. Bei WELCH angekommen stieg ich aus und sah sofort große Probleme auf uns zukommen. Das rechte Vorderrad stand mit einem geschätzten Sturzwinkel von 30 Grad im Radhaus. Ein kurzer Blick bestätigte meine Vermutung. Am Rahmen war der komplette Stoßdämpferdom gebrochen und hatte sich nach innen weggeklappt. Der Frust war erstmal groß. Nach einiger Beratschlagung wollten wir aber versuchen den Schaden zu reparieren. Da Jeremy und seine gesamte Mannschaft bereits auf dem Rennen in Donington waren, hatte ich die ganze Werkstatt für uns. Der Healey wurde vorsichtig auf eine Hebebühne gefahren, und dann zerlegten wir erstmal teilweise die Vorderachse. Die Stoßdämpferplatte wurde mit Hilfe eines langen Hebels und unter Anwendung brachialer Gewalt zurückverformt, alle gerissenen Stellen entrostet und saubergeschliffen und anschließend alles großzügig verschweißt. Nicht schön, aber zweckmäßig. Dann wurde die Vorderachse wieder eingebaut und Volker startete zu einer ersten Probefahrt. Nach der Fahrt nochmals auf die Hebebühne und alles kontrolliert. Sah alles gut aus und uns fiel ein Stein vom Herzen.

Auf der Rückfahrt machten wir noch halt in Bicester-Heritage. Ein ehemaliges RAF Gelände wird hier seit mehreren Jahren wieder zum leben erweckt, die Gebäude restauriert und verschiedene Firmen rund um das Thema Oldtimer angesiedelt. Zuhause bei Charles wurde ein großer Toast auf die gelungene Reparatur ausgebracht.

Am nächsten Morgen stand dann das Donington Historic Festival auf dem Plan. Der Donington Race Track liegt sehr malerisch in einer Hügellandschaft. Die Veranstaltung ist hochkarätig besetzt und es liefen am Samstag und Sonntag sehr spannende Rennen in verschiedenen Klassen. Wir hatten von Samstag auf Sonntag ein kleines Hotel gemietet, um uns die Fahrerei zu ersparen. Am Sonntagabend machten wir auf der Heimfahrt noch halt in einem typischen englischen Pie-Pub. Pies sind verschiedene Fleischterrinen die mit einer Art Blätterteig überbacken werden. Sehr lecker.

Zuhause bei Charles kam dann der nächste Knaller: Charles besitzt die weltweit größte Modellautosammlung der Marke Healey. 1993 Healey-Modelle lagern in Vitrinen und Regalen. Unvorstellbar was es hier gab. Slot-Cars, kleine Modelle, große Modelle, Modelle aus Holz, Metall, Kunststoff und Papier. Bausätze in Originalverpackung oder gebaut, Barbies erster Healey usw. Der absolute Overflash. Jahrelange Sammelleidenschaft und natürlich das nötige Kleingeld führten zu dieser einmaligen Sammlung.

Am Montag, der in England ein Feiertag (Bank Holiday) war, genossen wir noch einmal das englische Landleben in vollen Zügen. Besuch in einem Automuseum (was sonst?), Besuch der Coltswolds Distillery mit großzügiger Verkostung der dort hergestellten Whiskys und Gins, was einen sofort nötigen Lunch in einem traumhaften Gartencenter nach sich zog. Am Nachmittag noch der obligatorische Cream Tea und dann war auch schon der letzte Abend angebrochen, den wir stilgerecht mit einem High-Light aus Charles Whisky-Fundus (ein 45 Jahre alter Royal Lochnagar !!) beendeten.

Am Dienstagmorgen dann Abfahrt um 8.00, zurück auf die Fähre, Übersetzen nach Calais und den „long turn“ zurück nach Oberkirch. Unsere geschweißte Vorderachse verhielt sich vorbildlich und so endete nach sechs Tagen ein toller Aufenthalt in England, der Volker und mir wahrscheinlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

BMW 2002 ti

berichtet von Jochen Extra, fotografiert von Erik Schrader

Im Anschluss an den jüngst bei uns vorbereiteten BMW 3.0 CSi durften wir uns um ein weiteres Juwel aus bayrischer Fertigung kümmern.

Die 2002 Baureihe war der durchschlagende wirtschaftliche Erfolg für BMW und begründete gleichzeitig das sportliche Image der Marke (Spaß am Fahren). Besonders begehrt waren die Sondermodelle 2002 ti mit Doppelvergaser, 2002 tii mit Kugelfischereinspritzung und der legendäre 2002 Turbo.

Den sportlichen Erfolg fuhren unzählige Privatfahrer auf der Rundstrecke, am Berg, beim Slalom oder bei Rallyes ein. Der 2002 entwickelte sich zu einem echten Breitensportler. Natürlich drehten auch nahezu alle damaligen Profis irgendwann am Lenkrad eines 2002.

 

Der hier vorgestellte 2002 ti stammt aus Italien und wurde streng nach Anhang K für den historischen Motorsport aufgebaut. Leistungssteigerung durch Dellorto-Doppelvergaser, Fahrwerksoptimierung, Überrollkäfig und Kotflügelverbreiterungen sind nur einige Details.

Der 2002 überrascht gegenüber dem 3.0 CSi durch eine agile Leichtigkeit, was natürlich durch das geringere Gewicht erreicht wird. Der 4-Zylindermotor beeindruckt trotz scharfer Nockenwelle durch ein breit nutzbares Drehzahlband.

Triumph Italia 2000

berichtet von Jochen Extra

In den letzten Monaten machte sich etwas italienischer Chic in unserer Werkstatt breit. Ein sehr seltener Triumph Italia 2000 benötigte eine Motorüberholung. Dieser Triumph Italia ist ein Sondermodell von Triumph, basierend auf dem Fahrwerk des TR3 mit einer Sonderkarosserie von Giovanni Michelotti. Die Initiative für dieses Fahrzeug stammte vom damaligen Generalimporteur für Triumph, gebaut wurden die Fahrzeuge bei Carrozzeria Vignale in Turin. Man schätzt die Stückzahl auf gerade mal 300 Exemplare, wovon geschätzt noch ca. 100 existieren. Das macht ihn zum seltensten Triumphmodell, was sich auch im  hohen Marktwert wiederspiegelt. Damit steht er in einer Reihe mit den Sondermodellen von MG (Arnolt-MG und Coune-MG).

 

Austin Healey 3000 – Le Mans Creation

berichtet von Jochen Extra

Die Marke Austin Healey, überaus erfolgreich im internationalen Rallyezirkus, war jahrelang mit ihren Fahrzeugen in Le Mans am Start, allerdings mit wechselndem Erfolg. Tragischer Höhepunkt war die unmittelbare Beteiligung eines Healeys an dem schwersten Unfall in der Motorsportgeschichte: 1955 in Le Mans.

Der hier gezeigt Healey wurde in Anlehnung an diese Le-Mans-Historie im Stil der damaligen Werksrenner (etwas freier interpretiert) aufgebaut. Mechanisch mit allen Goodies der damaligen Zeit ausgestattet (Scheibenbremsen, Webervergaser) und einer Karosserie mit typischer Heckfinne, präsentiert sich der Healey als Blickfang jeder Veranstaltung und bietet dazu noch ein atemberaubendes Fahrverhalten: Race feeling at its best.

MGA 1600 MK II – Coming home

berichtet von Jochen Extra

Diesen späten MGA haben wir 1985 für einen Kunden restauriert. Ausgehend von einem mehr oder weniger vollständigen Schrotthaufen lieferten wir unserem Kunden ein perfektes Auto. Dies war übrigens eine unserer ersten Vollrestaurationen. Der Aufwand war enorm, aber das Ergebnis sprach für sich. Nach kurzer Zeit fand allerdings aus familiären Gründen eine Trennung von Fahrzeug und Besitzer statt. Und wir verloren diesen MGA über Jahrzehnte völlig aus den Augen.

Bis ein anderer Kunde, der auf der Suche nach solch einem Fahrzeug war, uns plötzlich kontaktierte. Er hätte solch ein Fahrzeug angeschaut, das auch noch unseren Aufkleber am Heck trage. Großes Rätselraten, bis klar war, dies war unser verschollener MGA. Jahrzehntelang in einer Fahrzeugsammlung eingelagert, fand dieser MGA wieder zu uns zurück. Die lange Standzeit hatte zwar ihren Tribut gefordert, aber im Großen und Ganzen stand er noch genauso da wie bei der Auslieferung damals. Eine behutsame Überarbeitung der technischen Komponenten, neuer TÜV und ein aktuelles Wertgutachten, und der MGA war „back on the road“.